14 August 2014

Strömung ans Dortmunder Phoenixsee Ufer

Der beste Weg die alte Heimat endlich zu verlassen und flügge zu werden ist bekanntlich die Planung von Wanderjahren. Suche Dir einen Job in einer anderen Stadt, dachte ich mir.

Es lief dann so: Ich beschloss, endlich aus Dortmund weg zu müssen. Trotz BvB. Und zog nach Essen. Nach einer Weile hieß es in meiner Firma: wir fusionieren mit dem Dortmunder Wettbewerber. Unsere Abteilung wechselt nach Dortmund. 

Gut dachte ich mir, zurück nach Wambel. Aber Strom war eh dröge - Internet war jetzt die Zukunft. Ich wechselte ich mit meiner Energieversorgererfahrung in die IT-Branche nach Berlin. Nach einer Weile hieß es: Die Musik der Energieversorgung spielt im Ruhrgebiet. Wir gründeten eine neue Niederlassung in Dortmund Wambel. Einmal machte ich dort ein Branchenteammeeting. Ich saß im Besprechungsraum. Durch das Fenster sah ich die B1, die Friedhofsmauer, den Gottesacker. Ich dachte: "Gibt es kein Entkommen von Dortmund?".

Ich wechselte noch mal den Job. In eine kleine Patentagentur - um auf Nummer Sicher zu gehen. Und dann noch einmal, aber seit acht Jahren bin ich jetzt stabil. Aber Dortmund macht mich nervös.

In all den Jahren hat es sich dramatisch verändert. Meine Besuchsabstände wurden größer und so bekam ich nicht alles mit. Aber heute kenne ich mich in manchen Ecken meines Heimatstadtteils nicht mehr aus. Wo der Nußbaumweg die B1 kreuzte ist ein Brücken-/Tunnel-Knäuel. Den Nußbaumweg gibt es am oberen Ende gar nicht mehr. Ersetzt durch einen Park. Die Lückestraße mit all ihren Hinterhoffirmen gibt es nicht mehr. Die Maschinenfabrik Schade gibt es auch nicht mehr. Der Straßenname der neuen Siedlung erinnert noch an sie. Usw. usf.

Die Krönung -die Stadtkrone- von allem aber ist Hörde. Wo das Stahlwerk Hoesch (Krupp, Thyssen) Phoenix stand, ist heute ein See, der Phoenixsee.



Ich hätte mich nie verändern müssen um mich zu verändern. Dortmund hat sich verändert.  

Also: Bleib wo du bist, wenn du Veränderung willst. Das galt dann ganz besonders für die Anwohner der Straße Am Remberg. Früher schauten sie vor eine Werksmauer oder Stahlrohre. Die Abstichfackel leuchtete ihnen wie eine Sonne in der Nacht. Heute schauen sie auf einen See. Aus dem Arbeiterviertel ist eine Seelage geworden. Schlau, wenn sie dort geblieben sind. Aber wahrscheinlich haben findige Investoren mit Insiderwissen sie rechtzeitig weggelockt.



Ich finde den Phoenixsee klasse. Wer hatte diese Idee? Die Frage, wer dort wohnt bekam ich abends auf einer Geburtstagsfeier in Brackel beantwortet: BvB Profis wohnen in den neuen Villen direkt am See. Von ihnen dürfte keiner mehr das frühere Stadt- und Straßenbild kennen. 

In das schicke Turmgebäude, das jetzt wie ein Hafenzollamt aussieht, will die Ausbildungsabteilung der Sparkassen einziehen, wie man hört. Ein Ärztehaus hat sich in den weißen Häusern angesiedelt, die wie drei anlegende Fähren aussehen. 

Auch einen Segelclub gibt es. Früher ruderte man bei Hansa am Kanal, heute segelt man in Hörde.

Ausflugstip: Die Eisdiele am Kai. Und für den Ausblick auf den See und Skyline den Hügel am Ostende erklimmen. Wunderbar.


04 August 2014

"All Along The Watchtower" (1989)

Tian’anmen-Massaker 
Als Tian’anmen-Massaker wird die gewaltsame Niederschlagung eines Volksaufstandes bezeichnet, bei dem der Platz des himmlischen Friedens in Peking durch eine ursprünglich studentische Demokratiebewegung besetzt wurde. Am 3. und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. Vor allem im chinesischen Sprachraum wird die Bezeichnung „Zwischenfall vom 4. Juni“ verwendet.
Quelle: Wikipedia



All along the watchtower, princes kept the view
While all the women came and went, barefoot servants, too
Bob Dylan



01 August 2014

Exodus

Wo der Mob tobt, da weicht die Intelligenz zurück. Das kennt man noch aus dem Klassenzimmer. Wer es zu nichts bringt, sucht Schuldige und Ideologien, die seine Opferrolle bestätigen. Die Schuldigen waren und sind in Europa wieder "die Juden".

Quelle: Newsweek

Es gibt Bilder, die wollte man nie wieder sehen - und musste doch: Konzentrationslager mit abgemagerten Menschen hinter Stacheldraht im jugoslawischen Bürgerkrieg. Und jetzt: Europäische Juden, die auf gepackten Koffern sitzen. Grüße aus London, Paris, Essen, Wuppertal, Berlin. Man verbrennt wieder Davidssterne und stürmt Synagogen. Politiker stehen daneben, kalkulieren ihre Wählermillieus - und relativieren.

Es ist eine Schande. Der NSU-Komplexität war (oder ist) ein Phänomen von Rechtsextremisten in Staat und Untergrund. Der neue Antisemitismus aber ist längst Mainstream. Er wird geduldet, verteidigt und befeuert von Menschen aus den rot-grünen Millieus. Er wird beliefert von linken und ehemals sozialliberalen Zeitungen wie ZEIT und Süddeutsche. Die taz von Ines Pohl lebt ihren Antisemitismus inzwischen ganz ungeniert aus.

Ich bin konsterniert zu sehen, dass Antisemitismus in Deutschland eine Mehrheit zu haben scheint. Das ist schlicht nicht zu fassen. 

How comes? Ich erkläre es mir so: Das SPD-Millieu -wo nicht eh schon von Muslimen dominiert- findet sich wieder in den Opferlegenden der Palästinenser und Libanesen. Das eigene Schulversagen, die ins Stocken gekommene Karriere, die Unzufriedenheit. Dafür muss es Schuldige geben. Von Eigenverantwortung halten beide nichts: Linke und Gläubige.  Wenn ich schon nichts erreiche, dann werde ich destruktiv und schare immer mehr andere Destruktive um mich. Auch -wie Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann- wenn man dafür Gesetze brechen muss. Motto der Grünen in Xhain: "Gesetze kann man ändern." 

Der Glaube wächst in diesen Millieus nicht aus Demut, Spiritualität und Weisheitsliebe. Er wächst aus  Geschichten über die eigene Machtlosigkeit und den großen Satan.

Was sich da gerade zusammenbraut muss schnellst möglich gestoppt werden. Die Maliks, Kolats, Becks, Todenhöfers, Wills, Klebers, Sievers usw. müssen Gegenwind bekommen.

27 Juli 2014

Deutsche Bahn verliert Fahrgäste

Der Bahn geht's gut. Ihren Kunden nicht (Foto: Hauptbahnhof Berlin tief).


Die Halbjahreszahlen 2014:

  • EBIT wächst von 1,02 auf 1,1 Mrd EUR (+7%).
  • Umsatz wächst um 1,9% auf 19,7 Mrd EUR.
  • Pünktlichkeit: Fernverkehr 81%, Nahverkehr 96%. (Als Bahnbenutzer fragt man sich, wie solche Zahlen zustande kommen. Und eine Statistik der krassen Verspätungen >1h wäre interessant.)

Die Bahn spürt ein Mehr in der Kasse. Es ist der Güterverkehr, der die Bahn zieht. Fahrgäste aus ICE und IC wenden sich ab. Erfahrungen im Hochwasser, die nachlassenden Standards schlagen sich in den Zahlen wieder. Der Nahverkehr wächst indes. Und die Bahnbusse haben Konkurrenz bekommen.
Personenverkehr in Personenkilometer:

  • Fernverkehr: -2,8%
  • Nahverkehr: +1,3%
  • Bus: -1,5%
Am besten laufen LKW- und Schiffsfracht:
  • LKW: +3,6%
  • Schiff: +8,5%
  • Kontraktlogistik: +8,9%
Parallel gab Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr, zu Protokoll dass er auf den rasenden Ansturm auf überfüllte Regionalzüge von Berlin an die Ostsee nicht reagieren werde. Es sei "unwirtschaftlich", die Kapazität an die stark wachsende Nachfrage anzupassen. Heißt im Umkehrschluss verkehrspolitisch: Berliner, die regelmässig an die Ostsee fahren, brauchen ein Auto.

Gestern gab der Berliner Senat bekannt, dass er die Bedienung des S-Bahn Rings doch nicht ausschreiben sondern direkt an die S-Bahn Berlin, Tochter der DB vergeben wird. Begründung: Die Ausschreibung sei zu spät um einem neuen Anbieter ausreichend Vorbereitungszeit für den Betrieb zu geben. Verschleppt hatte diesen Termin Klaus Wowereit. Ich hoffe, die EU Kommission wird sich dieser Sache annehmen. 

Übrigens genau so wie den Fall des Fernbahnanbieters HKX. Der hatte seine Pläne für eine Verbindung Bahnhof Zoo - Hamburg begraben, nachdem Grube ihm seine Trassen- und Bahnhofspreise genannt hatte. Parallel richtete Grube eine "Interregio"-Verbindung Berlin Hamburg ein. 

Fußnote: Antje Neubauer (früher Dr. Antje Lüssenhopp) hat einen "Green Publishing" Award für eine Ausgabe ihres Bahnmagazins "mobil" gewonnen. Das "Green" bezieht sich dabei nicht auf die Bahn, sondern das Recyclingpapier, auf das die mobil gedruckt wird. Das Green bei der Bahn dagegen errechnet sich aus den Personenkilometern pro Kilowattstunden und profitiert genau so wie das EBIT von den chronischen Überbelegungen der DB-Reisezüge.

25 Juli 2014

Al Qudstag verbieten !

In der Ruhe vor dem Sturm - was ist das?
Ganz klammheimlich verläßt wer die Stadt.
Honoratioren inkognito hasten vorbei
- offiziell sind die nicht gerne dabei,
wenn die Volksseele - allzeit bereit -
Richtung Siedepunkt wütet und schreit:
"Heil - Halali" und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt,
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
BAP, Kristallnaach

24 Juli 2014

Rot, Grün und der Antisemitismus

Vier Tage braucht die Berliner SPD, um sich zu einer Distanzierung von den antijüdischen Ausschreitungen der Pro-Hamas Demonstranten durchzuringen.

Am vergangenen Wochenende hatte es in Essen, Frankfurt und Berlin Demonstrationen von Hamasanhängern gegeben, bei denen unsäglichste Parolen gerufen wurden. Worte, die man sich nicht traut, sie wiederzugeben. "Vorbild" waren in dieser Hinsicht die alptraumhaften Massendemonstrationen in Paris und London. Zweck der Demonstrationen war es ganz offenbar, die Grenzen auszutesten. Und die waren in toleranter Manier weit gesteckt. So traute man sich sogar, seine Kindermörderparole auf dem Boden vor dem hessischen Landtag zu kritzeln.

Die Polizei schritt nicht ein. Die Stadtregierungen taten sich mehr oder weniger schwer mit einer Distanzierung. In Essen dominiert die SPD, Frankfurt hat eine iranischstämmige Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg.und die SPD in Berlin rekrutiert Wähler, Mandatsträger und Funktionäre weitgehend aus arabisch-türkischen Einwohnern. Sie stellt die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses Hoegel und entsandte auch ein "türkisches Arbeiterkind, das sich hochgearbeitet hat" in den Bundestag. SPD Fraktionschef Raed Saleh stammt  aus Palästina, die Integrationssenatorin Dilek Kolat aus der Türkei (ihr Ehemann war Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschlands). Ich betone die Abstammungen dieser Politiker nicht, weil sie mir etwas bedeuten - sondern weil sie selbst sie immer wieder benutzen, um entweder für sich neue Rechte einzufordern oder im Gegenteil - wenn opportun-   ihren Gegnern vorwerfen, wenn diese sie thematisieren. Zumindest, um damit Wahlkampf zu machen. Also entweder spielt die eigene Abstammung eine Rolle oder nicht. Beide male dann grundsätzlich und nicht mal so und mal so.

In dieser Woche wurde deutlich, was die Genannten unter Integration und Toleranz verstehen und wessen Interessen sie vertreten. Sie verstehen darunter vor allem die Interessen ihrer eigenen Communities, und weniger die von Einwanderern oder Andersgläubigen insgesamt. Dort nur selektiv.  So nahm Nargess Eskandari-Grünberg Stellung auf dem Christopher Street Day (Link). Zu den antisemitischen Ausschreitungen schwieg sie. In Berlin schwiegen Kolat und Saleh.  Einige SPDler aus der zweiten Reihe schoben den schwarzen Peter Polizei und Staatsanwaltschaft zu, weil sie nichts getan habe (Link). 
Am Dienstagabend wurde es sogar Bürgermeister Wowereit zu blöd und er distanzierte sich qua Amt. NRW antwortete auf den muslimischen Antisemitismus mit der Einführung eines "antimuslimischen" Straftatbestand. 

Als ich Mittwochmorgen via Twitter bei der SPD Prominenz anfragte, wo ihre Stellungnahmen bleiben, wurde ich auf Wowereit und Steinmeier verwiesen. Kolat und Saleh schoben dann im Tagesverlauf rasch Statements nach und ließen mir Links darauf zukommen. Eva Hoegel forderte in der BILD, dass Türken auch ohne deutschen Pass den Bundestag wählen können sollen (Link). 

Die SPD Berlin hat eine Chance verpasst. Sie hat gezeigt, dass sie mit dem Antisemitismus kalkulierend umgeht, wenn er von ihrer eigenen Klientel propagiert wird. Sie zeigt, dass es ihr nicht um ein friedliches Miteinander geht, sondern um partielle Interessenvertretung. Auch wenn dabei rechtsradikale Tabus überschritten werden.

17 Juli 2014

Weltmeisterland

"Wir begrüßen Sie im IC nach Köln quer durch's Weltmeisterland." Und in der Tat, ein bisschen schwebten wir schon über den Dingen. Am Hauptbahnhof übermüdete Fanmeilenheimkehrer, sommerlicher Ausnahmezustand. Das war aber auch eine Erlösung, als Götze kurz vor Ende der Verlängerung die Flanke von Schürrle annahm und volley mit links reinmachte.

Das passiert alle zwanzig Jahre. Das heißt, beim nächsten Mal habe ich schon die Rente vor Augen..

Nach dem ersten Spieltag der Vorrunde hatte ich auf Holland getippt. Die Erwartungen an unsere Mannschaft hatten ja Löw und Bierhoff höchstselbst herunter gemanagt. Deshalb sollte im Nachhinein auch niemand gescholten werden, der nicht auf Deutschland getippt hatte. Löw hatte dies selbst nicht.

Ein Gewinn abseits des Platzes war für mich Mehmet Scholl. Von ihm habe ich wirklich etwas über Fußball und Spieler gelernt. Mehr denn je schaue ich Spielszenen über die "Taktikkamera", also was man früher "Totale" nannte.

Und dann in Berlin dieser Empfang am Dienstag! Bombastisch. Ich bekam es live mit, über SMSen. Deutsche Arbeitsteilung: Der Südwesten leistet, Berlin feiert.

Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn es nicht auch an einer stolzen Feier noch was rumzumäkeln gäbe: Über #Gauchogate muss man nichts sagen. Es sagt mehr über die Erfinder dieses Wortes aus, als über irgendjemand anderen.