14 September 2014

Erfreulich viele Teilnehmer auf Berliner Demo gegen Judenhass



Der Zentralrat rief. Und viele kamen - aus ganz Deutschland. Um endlich ein Zeichen gegen den unverhohlenen und hohlen  Judenhass linker, rechter und islamistischer Extremisten zu setzen, den wir diesen Sommer ertragen mussten. Ach was sag ich. Um klar zu sagen:

ES REICHT!

Dieter Graumann hielt eine eindringliche, an alle appellierende Rede. Ohne Anklage, ohne Verallgemeinerungen. Aber mit einer klaren Erwartungshaltung in Richtung Islamverbände, dieser Auswüchse Einhalt zu gebieten. Graumann sagte noch viele Selbstvertändlichkeiten, wobei der Nachrichtenwert darin liegt, dass man heute manche Selbstverständlichkeit wieder betonen muss.

Dann kam Wowereit. Er verdrehte fast den Anlass, Ursache und Wirkung. Indem er allgemein davon sprach, Ausgrenzung und Diskriminierung zu verachten. "Bei allem Verständnis für manche Leidenschaft bei Diskussionen über den nahen Osten und die Ursachen der Gewalt.." Er relativierte also. Er war auch nicht ganz bei der Sache. Gut war aber sein Hinweis darauf, dass inzwischen viele junge Israelis gerne nach Berlin kommen. Auch das ist ja nicht selbstverständlich.

Dann kamen die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche. Der EKD Vorsitzende übte sich in kirchlicher Selbstkritik zum Thema Antisemitismus. Ok. Der Bischofskonferenzvorsitzende aber benutzte das Thema für eine Art Predigt. Antisemitismus sei letzten Endes Gotteslästerung. Wer so redet, grenzt jeden Nichtgläubigen aus den Reihen der Solidarischen aus.

Mir wurde dabei zu oft die "Kritik an Israel" thematisiert. Das ist das neue "Das wird man doch wohl noch sagen dürfen." Man muss auf einer Demonstration gegen Judenhass überhaupt nicht über Kritik an Israel sprechen. Das hat Dieter Graumann eigentlich jedem, der es verstehen wollte, verständlich gemacht: "Wer wegen Israelkritik zum Antisemiten wurde, der war es vorher schon."

Noch unpassender war da eigentlich nur noch der Stil des Moderators Cherno Jobatey. Er machte auf lässig und begeistert und schien die Demo mit einer Fanmeile zu verwechseln.


14 August 2014

Strömung ans Dortmunder Phoenixsee Ufer

Der beste Weg die alte Heimat endlich zu verlassen und flügge zu werden ist bekanntlich die Planung von Wanderjahren. Suche Dir einen Job in einer anderen Stadt, dachte ich mir.

Es lief dann so: Ich beschloss, endlich aus Dortmund weg zu müssen. Trotz BvB. Und zog nach Essen. Nach einer Weile hieß es in meiner Firma: wir fusionieren mit dem Dortmunder Wettbewerber. Unsere Abteilung wechselt nach Dortmund. 

Gut dachte ich mir, zurück nach Wambel. Aber Strom war eh dröge - Internet war jetzt die Zukunft. Ich wechselte ich mit meiner Energieversorgererfahrung in die IT-Branche nach Berlin. Nach einer Weile hieß es: Die Musik der Energieversorgung spielt im Ruhrgebiet. Wir gründeten eine neue Niederlassung in Dortmund Wambel. Einmal machte ich dort ein Branchenteammeeting. Ich saß im Besprechungsraum. Durch das Fenster sah ich die B1, die Friedhofsmauer, den Gottesacker. Ich dachte: "Gibt es kein Entkommen von Dortmund?".

Ich wechselte noch mal den Job. In eine kleine Patentagentur - um auf Nummer Sicher zu gehen. Und dann noch einmal, aber seit acht Jahren bin ich jetzt stabil. Aber Dortmund macht mich nervös.

In all den Jahren hat es sich dramatisch verändert. Meine Besuchsabstände wurden größer und so bekam ich nicht alles mit. Aber heute kenne ich mich in manchen Ecken meines Heimatstadtteils nicht mehr aus. Wo der Nußbaumweg die B1 kreuzte ist ein Brücken-/Tunnel-Knäuel. Den Nußbaumweg gibt es am oberen Ende gar nicht mehr. Ersetzt durch einen Park. Die Lückestraße mit all ihren Hinterhoffirmen gibt es nicht mehr. Die Maschinenfabrik Schade gibt es auch nicht mehr. Der Straßenname der neuen Siedlung erinnert noch an sie. Usw. usf.

Die Krönung -die Stadtkrone- von allem aber ist Hörde. Wo das Stahlwerk Hoesch (Krupp, Thyssen) Phoenix stand, ist heute ein See, der Phoenixsee.



Ich hätte mich nie verändern müssen um mich zu verändern. Dortmund hat sich verändert.  

Also: Bleib wo du bist, wenn du Veränderung willst. Das galt dann ganz besonders für die Anwohner der Straße Am Remberg. Früher schauten sie vor eine Werksmauer oder Stahlrohre. Die Abstichfackel leuchtete ihnen wie eine Sonne in der Nacht. Heute schauen sie auf einen See. Aus dem Arbeiterviertel ist eine Seelage geworden. Schlau, wenn sie dort geblieben sind. Aber wahrscheinlich haben findige Investoren mit Insiderwissen sie rechtzeitig weggelockt.



Ich finde den Phoenixsee klasse. Wer hatte diese Idee? Die Frage, wer dort wohnt bekam ich abends auf einer Geburtstagsfeier in Brackel beantwortet: BvB Profis wohnen in den neuen Villen direkt am See. Von ihnen dürfte keiner mehr das frühere Stadt- und Straßenbild kennen. 

In das schicke Turmgebäude, das jetzt wie ein Hafenzollamt aussieht, will die Ausbildungsabteilung der Sparkassen einziehen, wie man hört. Ein Ärztehaus hat sich in den weißen Häusern angesiedelt, die wie drei anlegende Fähren aussehen. 

Auch einen Segelclub gibt es. Früher ruderte man bei Hansa am Kanal, heute segelt man in Hörde.

Ausflugstip: Die Eisdiele am Kai. Und für den Ausblick auf den See und Skyline den Hügel am Ostende erklimmen. Wunderbar.


04 August 2014

"All Along The Watchtower" (1989)

Tian’anmen-Massaker 
Als Tian’anmen-Massaker wird die gewaltsame Niederschlagung eines Volksaufstandes bezeichnet, bei dem der Platz des himmlischen Friedens in Peking durch eine ursprünglich studentische Demokratiebewegung besetzt wurde. Am 3. und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. Vor allem im chinesischen Sprachraum wird die Bezeichnung „Zwischenfall vom 4. Juni“ verwendet.
Quelle: Wikipedia



All along the watchtower, princes kept the view
While all the women came and went, barefoot servants, too
Bob Dylan



01 August 2014

Exodus

Wo der Mob tobt, da weicht die Intelligenz zurück. Das kennt man noch aus dem Klassenzimmer. Wer es zu nichts bringt, sucht Schuldige und Ideologien, die seine Opferrolle bestätigen. Die Schuldigen waren und sind in Europa wieder "die Juden".

Quelle: Newsweek

Es gibt Bilder, die wollte man nie wieder sehen - und musste doch: Konzentrationslager mit abgemagerten Menschen hinter Stacheldraht im jugoslawischen Bürgerkrieg. Und jetzt: Europäische Juden, die auf gepackten Koffern sitzen. Grüße aus London, Paris, Essen, Wuppertal, Berlin. Man verbrennt wieder Davidssterne und stürmt Synagogen. Politiker stehen daneben, kalkulieren ihre Wählermillieus - und relativieren.

Es ist eine Schande. Der NSU-Komplexität war (oder ist) ein Phänomen von Rechtsextremisten in Staat und Untergrund. Der neue Antisemitismus aber ist längst Mainstream. Er wird geduldet, verteidigt und befeuert von Menschen aus den rot-grünen Millieus. Er wird beliefert von linken und ehemals sozialliberalen Zeitungen wie ZEIT und Süddeutsche. Die taz von Ines Pohl lebt ihren Antisemitismus inzwischen ganz ungeniert aus.

Ich bin konsterniert zu sehen, dass Antisemitismus in Deutschland eine Mehrheit zu haben scheint. Das ist schlicht nicht zu fassen. 

How comes? Ich erkläre es mir so: Das SPD-Millieu -wo nicht eh schon von Muslimen dominiert- findet sich wieder in den Opferlegenden der Palästinenser und Libanesen. Das eigene Schulversagen, die ins Stocken gekommene Karriere, die Unzufriedenheit. Dafür muss es Schuldige geben. Von Eigenverantwortung halten beide nichts: Linke und Gläubige.  Wenn ich schon nichts erreiche, dann werde ich destruktiv und schare immer mehr andere Destruktive um mich. Auch -wie Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann- wenn man dafür Gesetze brechen muss. Motto der Grünen in Xhain: "Gesetze kann man ändern." 

Der Glaube wächst in diesen Millieus nicht aus Demut, Spiritualität und Weisheitsliebe. Er wächst aus  Geschichten über die eigene Machtlosigkeit und den großen Satan.

Was sich da gerade zusammenbraut muss schnellst möglich gestoppt werden. Die Maliks, Kolats, Becks, Todenhöfers, Wills, Klebers, Sievers usw. müssen Gegenwind bekommen.

27 Juli 2014

Deutsche Bahn verliert Fahrgäste

Der Bahn geht's gut. Ihren Kunden nicht (Foto: Hauptbahnhof Berlin tief).


Die Halbjahreszahlen 2014:

  • EBIT wächst von 1,02 auf 1,1 Mrd EUR (+7%).
  • Umsatz wächst um 1,9% auf 19,7 Mrd EUR.
  • Pünktlichkeit: Fernverkehr 81%, Nahverkehr 96%. (Als Bahnbenutzer fragt man sich, wie solche Zahlen zustande kommen. Und eine Statistik der krassen Verspätungen >1h wäre interessant.)

Die Bahn spürt ein Mehr in der Kasse. Es ist der Güterverkehr, der die Bahn zieht. Fahrgäste aus ICE und IC wenden sich ab. Erfahrungen im Hochwasser, die nachlassenden Standards schlagen sich in den Zahlen wieder. Der Nahverkehr wächst indes. Und die Bahnbusse haben Konkurrenz bekommen.
Personenverkehr in Personenkilometer:

  • Fernverkehr: -2,8%
  • Nahverkehr: +1,3%
  • Bus: -1,5%
Am besten laufen LKW- und Schiffsfracht:
  • LKW: +3,6%
  • Schiff: +8,5%
  • Kontraktlogistik: +8,9%
Parallel gab Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr, zu Protokoll dass er auf den rasenden Ansturm auf überfüllte Regionalzüge von Berlin an die Ostsee nicht reagieren werde. Es sei "unwirtschaftlich", die Kapazität an die stark wachsende Nachfrage anzupassen. Heißt im Umkehrschluss verkehrspolitisch: Berliner, die regelmässig an die Ostsee fahren, brauchen ein Auto.

Gestern gab der Berliner Senat bekannt, dass er die Bedienung des S-Bahn Rings doch nicht ausschreiben sondern direkt an die S-Bahn Berlin, Tochter der DB vergeben wird. Begründung: Die Ausschreibung sei zu spät um einem neuen Anbieter ausreichend Vorbereitungszeit für den Betrieb zu geben. Verschleppt hatte diesen Termin Klaus Wowereit. Ich hoffe, die EU Kommission wird sich dieser Sache annehmen. 

Übrigens genau so wie den Fall des Fernbahnanbieters HKX. Der hatte seine Pläne für eine Verbindung Bahnhof Zoo - Hamburg begraben, nachdem Grube ihm seine Trassen- und Bahnhofspreise genannt hatte. Parallel richtete Grube eine "Interregio"-Verbindung Berlin Hamburg ein. 

Fußnote: Antje Neubauer (früher Dr. Antje Lüssenhopp) hat einen "Green Publishing" Award für eine Ausgabe ihres Bahnmagazins "mobil" gewonnen. Das "Green" bezieht sich dabei nicht auf die Bahn, sondern das Recyclingpapier, auf das die mobil gedruckt wird. Das Green bei der Bahn dagegen errechnet sich aus den Personenkilometern pro Kilowattstunden und profitiert genau so wie das EBIT von den chronischen Überbelegungen der DB-Reisezüge.

25 Juli 2014

Al Qudstag verbieten !

In der Ruhe vor dem Sturm - was ist das?
Ganz klammheimlich verläßt wer die Stadt.
Honoratioren inkognito hasten vorbei
- offiziell sind die nicht gerne dabei,
wenn die Volksseele - allzeit bereit -
Richtung Siedepunkt wütet und schreit:
"Heil - Halali" und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt,
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
BAP, Kristallnaach