26 Januar 2015

Aus Athen kommt ein linker Führerkult

Der Morgen nach der Wahl in Griechenland ist auf den deutschen Nachrichtenportalen mal wieder ein Moment der Wahrheit. Sie verstehen: nichts. 

Beispiel Christian Rickens, immerhin Ressortleiter Wirtschaft bei @SPIEGELONLINE:
Wahrscheinlich ist Tsipras auch klug genug, den Schuldendienst nicht einseitig aufzukündigen, sondern eine Verhandlungslösung mit den Gläubigern zu suchen. An einem erneuten Schuldenschnitt führt ohnehin kein Weg vorbei, aber er muss ja nicht unbedingt so heißen
Quelle: SPON, "Tsipiras und Syriza haben eine Chance verdient" (Link)

Berauscht vom Sieg der Sozialisten erhofft sich Herr Rickens jetzt offenbar irgendein Spektakel, dass der Troika mal zeigt wo der Hammer hängt. Der nächste Schuldenschnitt ist für das Mainstreammedium jetzt eh klar. Als Bernd Lucke dies noch prognostizierte galt das mal als "rechts" mal als "Wutbürgertum" oder auch "Professorengewäsch". 

Interessant auch der Hinweis "muss ja nicht so heißen", so eine Mentalität kennt man sonst von Insolvenzverschleppern. Franjo-Pooth-Niveau im deutschen Qualitätsjournalismus.

Aber Regeln und Werte sind ja nur für schöne Tage. Leiten die Sozialisten ihren Wahrheitsanspruch ansonsten stets aus der "Wissenschaftlichkeit" ihres Sozialismus ab, haben sie es mit der Mathematik noch immer nicht so:
Doch noch viel schwerer wiegt die Technokratenhybris, ein paar Beamte könnten mit wenig Zuckerbrot und reichlich Peitsche ein ganzes störrisches Volk zu seinem Glück zwingen.
Leute wie Christian Rickens waren in der Schule die, die Mathe immer nur mündlich hatten. 

Weiter zur SZ. Dort hat man Mathe nicht mal mündlich, sondern berauscht sich ebenfalls am Spektakel, dass wir in Europa endlich wieder einen "Revoluzzer" haben. 

Zum Abschluss seiner Reden lässt Tsipras gerne Leonard Cohen spielen: "First we take Manhattan then we take Berlin". Eine Kampfansage, wie sie der 40-Jährige so gerne macht. Im Wahlkampf hat er angekündigt, eine Allianz gegen Deutschland schmieden zu wollen. 
Quelle: SZ, "Der Triumphator" (Link)

Liest man Christian Gierke weiter, könnte man meinen der Messias sei in Europa angekommen:
Tsipras sagt, was viele Griechen, die in den vergangenen Jahren und Monaten ihren Job verloren haben, die sich Sorgen um ihre Zukunft und die ihrer Kinder machen, hören wollen. Sie versprechen sich von ihm ein besseres Leben. "Die Hoffnung kommt", das rief der Hoffnungsträger den Hoffnungssuchenden in den vergangenen Wochen immer wieder zu. Und: Dass jetzt Schluss sei mit der Ausbeutung des Landes durch die internationalen Kreditgeber, mit Rentenkürzungen und Steuererhöhungen. 
Die deutsche Linkspartei jubelt ihrem griechischen Genossen jedenfalls schon mal Glückwünsche zu:

Der wiederum sieht sich schon als europäischer Führer:


Dieser Sieg der Linkspopulisten wird Europa weiter radikalisieren. Mehr denn je werden wir eine Stimme der Freiheit brauchen. Aber wo ist sie..?

19 Januar 2015

Heideggers "Sein und Zeit" bei WDR5

Was die Quantenmechanik bei den Physikern, war der Existenzialismus bei den Philosophen: Dazu gehört der Schritt von der bestehenden Welt in die mögliche. Vorigen Freitag hatte Jürgen Wiebecke den bis vor kurzem noch Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, Günter Figal, zu Gast.

Ich fasse die Erkenntnisse und Schlüsse der Sendung über Heideggers Werk "Sein und Zeit" mal so zusammen: Unser Leben spannt einen Möglichkeitsraum auf, aus dem heraus das tritt, für das wir uns entscheiden oder was uns zustößt. Bewusst wird uns unser reales Leben, weil wir um seine Befristung wissen. Jedenfalls ab dem Moment dieser Erkenntnis (der "Blitz der Wahrheit").

Dieser stochastische Charakter unseres Lebens wäre damit ein Spiegelbild der Erkenntnisse (oder Modellierungen) aus der Quantenmechanik: Die Welt vor unseren Augen ist eine der vielen möglichen. An welcher Barriere das Wellenteilchen gebrochen wird, steht vorher nicht fest, aber es hat alle Möglichkeiten. Und Schrödingers Katze ist uns eh ein Begriff.

(Später transferierte Heidegger den "Blitz der Wahrheit" für ein Individuum auf eine Gruppe, ein Kollektiv. Von da an wurde seine Philosophie zur Ideologie, in der er pesönliche Ressentiments auslebte.)

Faszinierend finde ich, dass hier eine Denkwelt auf der anderen aufbaut. Wussten beide voneinander oder war "die Zeit reif" für diesen Durchbruch im Denken?

Kommenden Freitag geht es übrigens um "Kapitalismus", zu Gast sein wird Meinhard Miegel.

18 Januar 2015

Zitat der Woche von Heiko Maas

"Es gibt kein Grundrecht auf innere Sicherheit."
Bundesjustizminister Heiko Maas, SPD

Quelle: SZ vom 14.12.2014 (Link)

10 Januar 2015

Daimler prüft Mitarbeiter in EU-Sanktionslisten

Airbus
Airbus-Chef Thomas Enders fordert ein Bekenntnis europäischer Unternehmen zur Freiheit und "multikultureller Kooperation" (Link). Etwa ein Drittel der Belegschaft arbeitet in Frankreich.

Daimler
Daimlers Rechtsvorstand Christine Hohmann-Dennhardt, die interessanterweise früher Verfassungsrichterin war, (Link) geht schon mal voran und durchleuchtet künftig alle 280.000 Mitarbeiter auf Terrorismus. Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Spies hat diese Konzernbetriebsvereinbarung unterschrieben.
Name, Anschrift und Geburtsdatum der Beschäftigten sollen alle drei Monate mit Sanktionslisten der Europäischen Union und der USA abgeglichen werden.
Quelle: SWR, Spiegel

Wer auf einer dieser Listen landet, bekommt ein Problem: Er wird sofort freigestellt und sein Entgelt nicht ausgezahlt. Bewerber, die auf dieser Liste stehen, bekommen eine Absage.

Eine Einschränkung macht Frau Hohmann-Dennhardt: Das Management wird nicht durchleuchtet. Bzw. als Sprachregelung: nicht so, sondern anders. Wie, wird aber nicht gesagt.

Eine Frage, die sich mir stellt, ist: Erfährt man davon, wenn man auf eine solche Liste gesetzt wird? Wer beschließt diese Listen? Welche Rechtsmittel gibt es dafür?

Recherche in EU Datenbank
Immerhin: Man kann online recherchieren, ob man "gesetzt" ist: Link
DIREKTER LINK zur Datenbank: Link
Ich habe gerade mal den Namen Zetsche eingegeben, und bin beruhigt, dass ich nichts gefunden habe. Das ist vielleicht das Überraschendste an dem Fall Daimler: Die Erkenntnis, dass jeder jederzeit recherchieren kann, ob ein Name auf einer dieser Listen steht.

Daimler-Partner: Rüstungsexporteur Norinco
Wer hat Angst vor Terroristen in den eigenen Reihen hat, sollte vielleicht nicht selbst zu Spannungen in der Welt beitragen. Doch genau das tut das Daimler Management, in dem es eine Kooperation mit dem chinesischen Rüstungsunternehmen Norinco.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker schrieb im März 2013 dazu:
Sowohl Daimler als auch Tognum bekennen sich in ihren Unternehmensrichtlinien zum Schutz der Menschenrechte. "Dies ist jedoch schwer vereinbar mit einer engen Kooperation mit Norinco", kritisierte Delius. Denn Norinco liefert Rüstungsgüter in alle Konfliktregionen der Welt.
..
Der von Norinco vertriebene Schützenpanzer WZ 551 wird im Sudan sogar in Lizenz hergestellt. Mindestens 500 Stück wurden bereits an die sudanesische Armee geliefert. Sie werden nicht nur im Krieg in Süd-Kordofan eingesetzt, sondern auch zur Niederschlagung von Demonstrationen in der Hauptstadt Khartum. Auch Sri Lanka, Pakistan, Iran und der Tschad kauften zahlreiche Norinco-Schützenpanzer. Marokko hat 150 Kampfpanzer vom Typ MBT 2000 erworben. Auch Burmas Armee zeigte 2012 Interesse an diesem Panzer.
Quelle: Link

Unter diesen Randbedingungen verstehe ich nicht, warum Daimler das Problem, das es mit der Mitarbeiterüberwachung bekämpfen will, nicht an der Wurzel packt.

03 Januar 2015

Zwischen den Jahren

"Bedenke, dass Du sterblich bist."
Das ist das eigentliche liberale Manifest. Es relativiert alle gelernten Ängste und überwindet die selbst auferlegte Unfreiheit. Auf die Panik der Einsicht folgt die Leichtigkeit der neu erkannten  Unverbindlichkeit: Wir schulden niemandem etwas, schon gar nicht seine Erwartungen an uns. Es bleibt überhaupt wenig Kommunikation übrig, wenn man alle Erwartungen und Projektionen von anderen in uns abzieht oder abstellt.

"Habt eine gute Zeit", sagte ich vor einem Jahr. Genießt, schafft, erholt Euch und schaut. Allein oder mit euch angenehmen Menschen.

Apropos: Nicht nur wir sind sterblich, die anderen auch. Nur Viren und Einzeller leben ewig, die es nicht wissen. Ihr, die ihr Kinder habt, ihr lebt in denen fort. Ich hoffe, das ist allen schon klar, wenn alle noch leben. Ihr ohne Kinder, ihr lebt in der Art fort, also den Kindern der anderen. Nur eure Erfahrung ist verloren - wenn ihr kein Testament gemacht habt oder Proben eurer DNA gesichert habt.

In eurer DNA sind euer Bauplan und eure Instinkte und Erfahrungen gespeichert. Eure Ribosomen bauen danach Zellen. Als ihr zum ersten mal gebaut wurdet, im Mutterleib, durchwandertet ihr im Schnelldurchlauf die Entwicklungsgeschichte des Lebens bis zum Menschen. Wir durchleben also schon eine sehr spannende Zeit, bevor wir das Licht der Welt erblicken.

Ob wir dabei auch eine Phase durchleben, in der wir vorübergehend der Photosynthese fähig sind, weiß ich nicht. Wären wir es als Mensch, hätten wir ein Problem weniger. Es wäre die Erklärung von Unabhängigkeit (Arbeit) und Pazifismus (Schlachthöfe) gleichermaßen. Allerdings müssten wir wohl Wurzeln schlagen oder im Wasser leben.

Also, wir Menschen schlagen einander nicht die Köpfe ein, weil wir einander fressen müssen. Das wäre ein unlösbares Dilemma. Wir schlagen für weniger einander die Köpfe ein, meistens aus Angst, die anderen wollten uns die Köpfe einschlagen. Was aber wiederum eine Projekt unserer unterdrückten Aggression ist usw. Aber wir schlagen Tieren die Köpfe ein, und ich frage mich, warum unser Stoffwechsel so angelegt ist: Warum lutschen wir nicht an Kohle und Steinen und trinken Öl? Wasser ist das anorganische Lebensmittel, von dem wir am meisten brauchen. Aber unsere Energie brauchen wir in organischer Form. Warum? Geht die Evolution unserer Enzyme noch weiter? Wie wäre es mit Photosynthese, also der Einverleibung von Chloroplasten. Gleichzeitig würden wir das CO2 reduzieren:

6CO2 + 6H2O + Licht -> C6H12O6 (Zucker) + 6O2

Noch mehr aber erleichtert mich, dass wir keine wilden Tiere über uns mehr fürchten müssen. Wir haben sie uns alle Untertan gemacht, zumindest halten wir sie uns vom Leib.

Warum eigentlich spekulieren wir über außerirdisches Leben? Meine Vorstellung davon ist wie die Entdeckung einer uns bis dahin unbekannten Tierart. Und wenn wir wissen wollen, wir mit Außerirdischen umgehen würden, müssen wir uns nur erinnern, wie wir mit Tieren umgehen. Oder mit Menschen, die anders aussehen als wir (oder umgekehrt), oder an etwas anderes glauben als wir (bzw. umgekehrt).

Trotzdem haben wir das Recht -sogar die Notwendigkeit- uns von der Umwelt zu distanzieren. Schon die erste Zelle entstand, indem sie eine Membran um ihre Organellen entwarf und sich fortan von der Ursuppe abgrenzte. Nur durch Abgrenzung entsteht 'ich'. Die Entwicklung schritt voran durch Eingemeindung von Nützlichem, wie z. B. Enzymen, Energiewandlern. Danach kam der kooperative Schritt: Die Mehrzeller.

Welch ein Glück, dass wir das heutzutage im Lichtmikroskop in Bewegung sehen können (Link). Vielleicht können wir bald die Geißeln der Menschheit wie Krebs und AIDS unterm Mikroskop erforschen?

Die Schritte an Land und die Entwicklung zum Warmblüter waren wieder Distanzierungen. Auch Abstraktionen entstehen durch Distanzierung, durch den Blick aufs Ganze um das Gemeinsame zu entdecken.

Ich finde es faszinierend, dass man eine durchgehende Entwicklungskette ziehen kann, vom Wasserstoffatom über Einzeller bis zum Menschen. An keiner Stelle brauchen wir hier einen Gott als Lenker, weil alles im ersten Element angelegt war. Aber in jedem Fall brauchen wir einen Gott als Schöpfer. Es wäre aber vermessen zu sagen, dass wir für ihn eine besondere Rolle spielen. Oder gar ein Einzelner von uns. Vielleicht unterscheidet man von göttlicher Warte aus überhaupt nicht zwischen uns, sondern wir bilden gemeinsam einen Organismus auf einem Zahnrad im großen Getriebe.

Wie auch immer. Dankbar können wir sein zu leben, weil wir ein Lustzentrum haben. Und Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, ein Gehirn zur Verdichtung. Und Familie und Freunde.

Jedoch, wenn ich an meine mich jetzt gerade plagende Erkältung denke, relativiere ich meine Dankbarkeit etwas. Aber wenn ich an Montag denke, wenn die Zeit zwischen den Jahren wieder einmal vorbei ist, dann fühle ich mich wieder enorm unfrei und fremdbestimmt.

14 Dezember 2014

Bescherung am Leipziger Platz, Berlin Mitte









Zum Gerücht, die Umbenennung von X'hainer Weihnachtsmärkten sei ein Gerücht

Die Piraten hatten 2013 in die Bezirksvertretung F’hain-Kreuzberg einen Antrag eingebracht, keine Bürgerehrungen mehr durchzuführen, die im Zusammenhang mit “Religion” stehen.
http://wiki.piratenpartei.de/BE:Friedrichshain-Kreuzberg/BVV/Fraktion/Protokolle/2013-03-04_-_Fraktionssitzung
Die BVV nahm diesen Antrag mehrheitlich an. Was aber keine Konsequenzen hat, denn regieren tut das Bezirksamt.
Der Beschluss löste trotzdem ein Missverständnis nach dem anderen aus. Sei es, weil viele Berliner den Unterschied zwischen BVV und BA nicht kennen, sei es in vorauseilendem politisch korrektem Gehorsam: Als erste reagierten Kreuzberger Muslime und benannten ihr Ramadanfest in “Sommerfest” um. Im darauf folgenden Winter hießen auch einige Kreuzberger Weihnachtsmärkte “Wintermarkt”. Einige davon hießen schon immer so, einige hatten sich der Piraten-PC folgend ebenfalls umbenannt.
Die Kampagne der Piraten richtete sich gegen alle Religionen. Es ist aber falsch zu sagen, die Geschichte sei eine Legende.
Sie lehrt, dass man keine Kampagnen gegen friedliebende Gläubige anstiften sollte, sondern gegen diejenigen, die Religionen missbrauchen. 
Das hat sogar Monika Herrmann verstanden, wenn sie dementiert, dass sich Kreuzberger Weihnachtsmärkte hätten umbenennen müssen:
http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2013/pressemitteilung.167573.php

Interessant auch zwei Berichte/Meinungen im Tagesspiegel:
"Winterfest statt Weihnachten?": http://www.tagesspiegel.de/meinung/political-correctness-winterfest-statt-weihnachten/9259614.html
"Religionsstreit in Kreuzberg": http://www.tagesspiegel.de/berlin/winterfest-statt-weihnachtsmarkt-religionsstreit-in-kreuzberg/8666628.html 

11 Dezember 2014

Bahn erhebt Zwangsreservierungsgebühr OHNE Sitzplatzanspruch


Ich bin Fernpendler und fahre täglich ICE. Inzwischen in der 1. Kl. weil es nur da fast immer einen Sitzplatz gibt (zum Arbeiten am PC). Der 1. Kl. Aufschlag ist so teuer wie es eine tägliche Reservierung in der 2. Kl. wäre.

Rückblende: Petition "Sitzplatzanspruch in Fernzügen"

Im Frühjahr zur Hannovermesse sah ich erste Fälle von Stehplätzen auch in der 1. Kl. und dachte: Was ist am Stehplatz erstklassig? Und reichte eine Petition beim Bundestag ein: Link
Text der Petition:Mit der Petition soll durch eine Änderung des § 13 Eisenbahnverordnung erreicht werden, Reisenden einen Sitzplatzanspruch zu gewährleisten, um eine Überfüllung von IC- und ICE-Zügen zu vermeiden.
Die Petition wurde veröffentlicht (Link), scheiterte aber am erforderlichen Quorum. Etliche Bahnfreunde argumentierten, es wäre das Ende der freien Zugwahl, wenn die Bahn ihre Kapazitäten an die Nachfrage anpassen müssten. Ein klarer Fall von Kapitulation vor der Bürokratie.

DB Meinungsumfrage zu "Sitzplatzgarantien"

Im Spätsommer gab es eine Meinungsumfrage der Bahn unter 1. Kl. - Kunden, was wir von einer Sitzplatzgarantie halten würden. Und ich dachte: Wow, es passiert doch etwas.

Falsch gedacht. Genau verkehrt herum. Die Bahn bringt keinen Sitzplatzanspruch. Sie bringt eine Zwangsreservierungsgebühr und OHNE Sitzplatzanspruch: Link

Ergebnis: Zwangsreservierung OHNE Sitzplatzanspruch

 Die Bekanntmachung klingt zunächst wie ein Sitzplatzanspruch:
Für die gewählte Verbindung wird dem Kunden bei Verfügbarkeit automatisch ein inkludierter Sitzplatz zur Verfügung gestellt, so dass er sich bereits bei der Buchung sicher sein kann, während der Fahrt sitzen zu können. Um-gekehrt kann er volle Züge ohne Sitzplatzverfügbarkeit meiden.
Die "integrierte Sitzplatzreservierung" kostet immer, leistet aber nicht unbedingt:
Ist der Fahrkartenkauf nicht mehr möglich, wenn es im gewählten Zug keine freien Sitzplätze mehr gibt?
Doch, der Fahrkartenerwerb ist auch möglich, wenn keine Sitzplätze mehr verfügbar sind. Der Kunde erhält allerdings explizit den Hinweis, dass keine freien Sitzplätze mehr vorhanden sind und kann selbst entscheiden, ob er eine Fahrkarte für den entsprechenden Zug kaufen möchte. Grundsätzlich soll die flexible Nutzung der Fernverkehrszüge weiterhin möglich sein.
Nachfolgend steht es klipp und klar zu sagen: Wenn Sie stehen müssen, wird es nicht billiger:
Wird mein Fahrpreis in der 1. Klasse günstiger, wenn ich keine Sitzplatzreservierung mehr bekomme?
Nein. Der Fahrpreis ist unabhängig von der Reservierung. Wir informieren darüber, wenn eine Sitzplatzreservierung auf der gesamten Verbindung bzw. einem Teil der Verbindung nicht mehr möglich ist, so dass sich der Kunde für eine andere Verbindung entscheiden kann.
Es handelt sich also um nichts anderes als eine verkappte Preiserhöhung. Zunächst in der 1. Klasse. Und wenn die Beschwerden nicht allzu laut werden, folgt die 2. Klasse.